Workshop zum Thema Arbeit und Moral in Zusammenarbeit mit der EJBW Weimar – Besuch im Museum für Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus
Wieso sind da so viele Entscheidungen, über sich selbst und seine Umwelt, die einem genommen werden? Es wäre doch viel erfüllender, selbst bestimmen zu können, in was für eine Familie ein Mensch geboren wird, wie man aussieht, welches Umfeld gegeben ist, genauso, ob man Geschwister oder viele Familienmitglieder hat und wie diese sich miteinander verstehen. Ist es nicht unfair, krank geboren zu werden oder mit einem Defizit leben zu müssen? Ja es ist unfair. Sobald man alt genug ist, besteht zwar die Möglichkeit, sich sein Umfeld selbst zu gestalten und auszusuchen, das ändert nichts an der Vergangenheit, die ein jeder Mensch erleben muss. Nicht jeder Mensch lernt und lebt unter denselben Umständen oder Bedingungen, was die Sensibilisierung um die ungleichen Möglichkeiten eines Menschen wichtiger macht.

Während des Museumsbesuches habe ich gelernt, dass polnische Menschen verpflichtet waren, für die deutschen Kriegswirtschaft zu arbeiten, sie wurden gekennzeichnet mit einem ,,P’’ auf der Klamotte. Sehr viele Menschen gingen bereits einer Verpflichtung wie beispielsweise einer Arbeit nach. Kinder mit ,,arischem Aussehen’’ wurden ihren Eltern entrissen, nach Deutschland verschleppt, wo sie eine neue Identität bekamen und kein Wort auf Polnisch sprechen durften. Kinder, die nicht nach Deutschland passten, wurden zusammen mit ihrer zwangsarbeitenden Mutter in Konzentrationslager gebracht. Obwohl ich von vielen Verbrechen des Nationalsozialismus weiß, schockiert mich jeder neue Fakt. Am Ende der Führung kamen wir in einen Raum, in dem ein Zeitstrahl mit Ereignissen und Verbrechen der Zeit auf der Wand ist. Eine Wand dieses Raumes ist weiß. Nur eine Überschrift ist zu sehen, und zwar ,,Gerechtigkeit’’. Man könnte sich fragen, wieso die Wand weiß blieb. Der Grund ist besonders fesselnd, denn es gibt nie Gerechtigkeit. Viele große Firmen, welche wir heute kennen, waren Mittäter im Nationalsozialismus, z.B. durch das Bauen und Liefern von Materialien oder Waffen. Doch warum gibt es diese Firmen dann heutzutage noch? Warum wurden die Gelder nicht an die Opfer und Hinterbliebenen gegeben? Verbliebene der Zeit mussten beweisen, ein Opfer der Verbrechen zu sein. Beispielsweise durch zerfetze Kleidung aus der Zeit oder Ausweise, in denen eine Verbindung zu entnehmen ist. Eine kleine- materielle Entschädigung. Ist es das, was diese Menschen verdienen? Wer ist zuständig für die psychische Gesundheit oder die körperlichen Langzeitfolgen?

Für mich ist das komplett absurd. Es bricht mir mein Herz, dass an sehr vielen Orten der Welt noch immer sehr viele Menschen des Leidens unterworfen sind. Überall reicht das Geld für Waffenproduktion, wo keiner sich umeinander kümmert. Wer entscheidet über die Wichtigkeit bestimmter Themen? Überall auf der Welt fehlen Aufklärung und Prävention, vor allem an Orten, außerhalb von Städten. Mir macht es Angst, regelmäßig von der Verleumdung des Nationalsozialismus sowie des Holocausts zu hören. Mir macht es Angst, dass die Menschen sich so wenig um einander kümmern und sorgen, dass dieses Verlangen sich gesehen und geliebt zu fühlen in Hass und Entmenschlichung umgewandelt wird. Wir Menschen haben zu wenig Liebe füreinander übrig. Wir leben alle von derselben Sonne und laufen auf demselben Boden. Ich wünsche mir, dass Liebe und Gerechtigkeit genauso verteilt wird wie aktuell Hass und Hetze.
Lena


